Einstieg

 

1671 reiste der französische Astronom Richer von Paris (Breitengrad φ = 48,8°) nach Cayenne (Breitengrad φ = 4,9°) in Französisch-Guyana. In Cayenne beobachtete er, dass seine mitgeführte Pendeluhr um ca. 2 min/Tag nachging. Er führte bereits damals richtigerweise den Effekt auf eine geringere Erdbeschleunigung in Cayenne zurück. Das Pendel braucht daher in Cayenne für eine ganze Schwingung, in welcher der Sekundenzeiger um eine Stellung weiter vorrückt, länger als in Paris.

Richer (1630 - 1696) in Cayenne. Im Hintergrund die Pendeluhr.
(Quelle: Biographisches Lexikon zur Geschichte der Geophysik)

 

Heute wissen wir genauer, dass das Zusammenspiel von Erdabplattung und Erdrotation zu einer vom Breitengrad abhängigen Erdbeschleunigung führt. Theoretisch Interessierte können das detailiert im theoretischen Teil verstehen. Auf der nördlichen Halbkugel sind fünf Pendel zum Messen der Abhängigkeit der Erdbeschleunigung g vom Breitengrad φ verfügbar. Ein Experimentator kann mit diesem als "Weltpendel" bezeichneten Remotely Controlled Laboratory (RCL) die Breitengradabhängigkeit der Erdbeschleunigung mit ausreichender Genauigkeit messen - und das, ohne wie Richer reisen zu müssen.